Im Jahr 1895 wurde die
drahtlose Telegrafie vom italienischen Physiker und späteren
Nobelpreisträger Guglielmo Marconi (1874 - 1937) verwirklicht, d. h.
die Möglichkeit Informationen mittelst Radiowellen zu überführen.
Die Erfahrungen in Schweden vom ersten Weltkrieg zeigten, dass es mit
grossen Schwierigkeiten vereinigt war, die Verbindungen über den
Atlantik aufrechtzuerhalten. Das Erstellen einer Telegrafie-verbindung
nach Amerika fand darum grosses Interesse und der schwedische
Reichstag beschloss 1920, dass ein Langwellen-sender für Telegrafie
und eine entsprechende Empfangsstation von der damaligen schwedischen
Telegrafenverwaltung gebaut werden sollte.
Wesentlich für die Lage des Senders war, dass die Verbreitung der
Radiowellen über offene See nach New York laufen sollte - südlich von
Norwegen, nördlich von Dänemark und Schottland. Grimeton, etwa 10 km
östlich von Varberg, entsprach diesen Forderungen. Die offene
Landschaft gab den Radiowellen freien Weg nach Westen und der Name
Grimeton war auf Englisch leicht aussprechbar.
Die Grossfunkstation wurde 1922 - 24 errichtet. Das wichtigste Teil
des Senders ist der von Ernst Alexanderson konstruierte
Wechselstromgenerator ”Alternator” genannt. Der in Schweden geborene
Ingenieur Ernst Alexanderson war ein Vorgänger der Funktechnik. Er war
in Europa geschult und bei General Electric in Schenectady angestellt.
Später wurde er zum Chefingenieur der Radio Corporation of America
(RCA) ernannt.
Im Herbst 1923 war die Anlage mit Ausnahme der sechs, 127 m hohen
Antennentürme fertig. Die Erstellung der Türme wurde durch einen
Streik in den schwedischen Stahlwerken um ein Jahr verspätet. Die
Türme stehen in einem Abstand von 380 m und haben oben 46 m lange
Querarme um die 8 Kupferleitungen zu tragen, die als Antennekapazität
und Leistungszuführung der sechs senkrechten, strahlenden Antennen
dienen.
Für die Belegschaft wurde ein kleines Dorf mit Wohnhäusern für sieben
Familien gebaut.
Am 1. Dezember
1924 wurde die Grossfunkstation Grimeton auf l6,1 kHz (Wellenlänge
18,6 km) mit dem Anrufzeichen SAQ in Betrieb genommen. Später wurde
die Frequenz bis auf 17,2 kHz (17,4 km) heraufgesetzt.
Am 2. Juli 1925 wurde Grimeton, die schwedische Funkstation für
drahtlose Telegrafie nach Amerika, offiziell eröffnet. König Gustaf V
kam mit dem Auto vom Bahnhof Varberg u. a. zusammen mit dem Entwerfer
Ernst Alexanderson an.
Während des mehr als 75-jährigen Lebens der Station ist vieles
geschehen. 1938 wurden Versuche mit Sendungen über Kurzwelle
eingeleitet. Die Entwicklung wurde während des zweiten Weltkrieges
angetrieben und der Anzahl der Kurzwellensender wurde schnell erhäht.
Noch heute sind etwa zwanzig Sender dieser Art in Betrieb. Auch Sender
für Rundfunk und Fernsehen wurden in Grimeton gebaut und heute ist die
Anlage dazu mit Sendern für verschiedene Funksprechverkehrsysteme
ausgerüstet.
Ernst F. W. Alexanderson
Schwedischer
Elektroingenieur und Erfinder (1878 - 1975)
Nach Abschlussprüfung an der Technischen Hochschule in Stockholm
setzte Alexanderson seine Studien an der Technischen Hochschule in
Berlin-Charlottenburg fort. Als Lehrer bekam er dort Professor A.
Slaby - ein Vorgänger auf dem Gebiet der drahtlosen Telegrafie-technik.
1901 reiste Alexanderson nach Amerika und wurde bei General Electric
angestellt. Dort machte er viele bedeutende Erfindungen, u.a. einen
Einphasen-Antriebsmotor für Lokomotiven und Triebwagen.
Von weit grösserer Bedeutung waren Alexandersons Arbeiten auf dem
Gebiet Funktechnik. Ab 1904 arbeitete er u.a. mit der Entwicklung
eines Hochfrequensalternators für Funktelegrafie über Langwelle (bis
100 kHz). Diese Senderbauart fand weitgehende Verwendung für den
transatlantischen Funkverkehr während und nach dem ersten Weltkrieg.
Er sah indessen die Möglichkeiten der Elektronenröhre ein, nahm an der
Entwicklung von diesen teil und führte Experimente, die zu effektiven
Sendern und Empfängern für Kurzwelle leiteten, durch.
Während seines
langen Lebens nahm Alexanderson an allen verschieden Gebieten der
Elektrotechnik teil. Einige Beispiele: Er konstruierte Generatoren,
Motoren, Höhenmesser und ein Landungssystem für Flugzeuge, er war der
erste der Bildüberführungen auf Kurzwelle über den Atlantik
durchführen konnte (1924) und er leistete wertvolle Beiträge zur
Fernsehtechnik. 1955 patentierte er einen neuartigen
Farbfernsehempfänger. Alexanderson erhielt für seine Erfindungen und
Konstruktionen insgesamt 344 Patente, die meisten für General
Electric.
Nach Angaben von Bengt V. Nilsson
Das Baudenkmal
Von den zwanzig 200
kW Alexanderson-Sendern, die von General Electric in USA gebaut und
rund um die Erde aufgestellt wurden, besteht heute nur noch der in
Grimeton. Das Besondere mit Grimeton ist die Gesamtheit, nahezu alles
was in den 1920-er Jahren gebaut wurde steht heute noch da. Ausser dem
voll betriebsförigen Sender kann der Besucher die wohl erhaltenen
Gebäude, die welteinzigen Antennen und das Funkdorf sehen. Sogar das
alte Stationsauto, ein 1931-er Chevrolet, steht hochpoliert da, sowie
die Kraftstoffpumpe von Gulf.
Die Empfangstation
Die schwedische
Empfangstation für Funktelegrafie über den Atlantik wurde in
Kungsbacka gebaut. Sowohl der Sender wie der Empfänger standen mit der
Telegrafiestation in Göteborg, wo ankommende und abgehende Telegramme
abgefertigt wurden, in Verbindung.
Der Verkehr wuchs bis zum Höhepunkt während und sofort nach dem
zweiten Weltkrieg an. Damals war die Funkstation von grösster
Bedeutung für Schwedens Möglichkeiten zu Funkverbindungen mit dem
Aus-land.
Besonders während der Kriegsjahre 1939-45 ermöglichte die Funkstation
Grimeton Verbindungen zu anderen Ländern, trotz zerstörter
überseekabel. |
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